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Keckheit ſo oft geprieſen und ſo hoch erhoben, daß fie jetzt eine Ehre darin ſuchen, vornehmſtolz, affektirt und unverſchämt zu ſein oder zu thun.
Gott hat ſie, gleich allen andern jungen Mädchen, ſittſam und anſtändig erſchaffen. Eben ſo gewiß hat Gott den Pariſer Gamin nicht unerträglicher als alle anderen Burſche, den Studenten nicht träger, gröber, unglücklicher in der Wahl ſeiner Vergnügungen, als alle anderen Jünglinge gemacht. Der Student bildet oder ſollte bilden den aufgeklärten Theil unſerer Jugend; ſelbſt der Pariſer Gamin ſoll früher eben ſo gutmüthig geweſen ſein, als er jetzt erfinderiſch iſt in klaſſiſchen Teufeleien.—
Woher denn dieſe Veränderung in den natürlichen Verhältniſſen?
Antwort: Weil einige Sauſewinde die Griſette, den Studenten, den Gamin zu Typen, d. h. zu Kollektiv⸗ geſtalten, zu idealen Weſen erhoben haben.
Die Folge davon iſt, daß jede Perſönlichkeit in dem Typus aufgeht. Denn bemerkt es wohl, nicht der Typus kopirt die Griſette, den Gamin, den Studenten, ſondern umgekehrt, der Gamin, die Griſette, der Stu⸗ dent kopirt den Typus, der in jedem Bilderladen ge⸗ druckt, geſtochen und illuminirt für ein paar Sous zu haben iſt.
Das iſt eine ernſte, betrübende Erſcheinung. Wenn es ſo fort geht, ſchrumpft in Bälde die ganze Geſell⸗ ſchaft zu ein paar Bildern aus einem beliebigen Mode⸗ journal zuſammen..
Es wird Alles ſo mechaniſch werden, wie im Orga⸗ nismus einer Fabrik, und die Menſchen ſich as,
ziren, wie die Exemplare einer Steindruckerei. Ja, die Originalität ſchwindet immer mehr aus dem 8 Bereiche des geſelligen Lebens. Nirgends eine freie, rein innerliche Bewegung, überall Kopie, Abdruck, Convention in Kleidung, Haltung, Sitte, Gang, Eſſen und Trinken, in Vergnügungen u. ſ. w. Jeder iſt in Jedem Kopie.


