Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1846)
Entstehung
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ſchön noch häßlich, hatten im Zuſtande der Ruhe nichts Auffallendes. Dennoch wurde vielleicht das geübte Auge des Phyſtognomikers aus den tauſend Falten rings um die ſchmalen, geradlinigen Lippen auf Sinnlichkeit ge⸗ ſchloſſen haben.

Aber jeder Munizipalrath kann Euch ſagen, daß man ein Arbeitshaus nicht aus chriſtlicher Liebe hält. Wozu braucht man noch Lavater und Gallzu ſtudiren, ſeit ein Miniſter in der Pharmakie uns ein untrügliches, ebenſo einfaches als ſinnreiches Mittel gelehrt hat, aus den Titeln oder den Kleidern einer Perſon auf die Be⸗ ſchaffenheit ihrer Geiſtes⸗ und Seelenorgane zurück⸗ zuſchließen?

Ein Bischen von der Schuld iſt auf Rechnung un⸗ ſerer alten Komiker zu ſchreiben. Ich will nur an die einzige Rolle erinnern, welche der unſterbliche Autor des Tartüffe die Herren Apotheker ſpielen läßt....

Madame Sorel ſchlug einen Stickrahmen nach dem andern auf, um zu ſehen, wie weit die Arbeiten fort⸗ geſchritten ſeien. Im Vorübergehen ſtrich ſie das nied⸗ liche Kinn Sancta's.

Recht ſo, mein Kind; ſo hab' ich's gern; ſchmei⸗ chelte ſie ihr.Ihr ſeid die pünktlichſte und fleißigſte von Allen.

Der Lärm, der plötzlich in der Thüre entſtand, ſparte Sancta die Verlegenheit einer Antwort.

Fünf oder ſechs junge Mädchen in verſchiedenfar⸗ bigen Kleidern, aber alle gleich kokett und gefallſüchtig herausgeputzt, ſtürzten lärmend in den Sal. Die mei⸗ ſten waren ſehr jung, einige recht niedlich, alle affektirt

luſtig. f. Leider müſſen wir geſtehen, daß Roman und Thea⸗ ter gleich viel Schuld haben an dieſer unnatürlichen Verzerrung und Entſtellung. Wer von uns den niedli⸗ chen Mädchen mit dieſen ecklen Fratzen vordem Geſichte begegnet, der ſollte beſchämt zur Erde niederſehen. Man hat ihre Lebendigkeit, ihre Anmuth, ihre liebenswürdige