216
Saint⸗Pharamond gehörte zu den vornehmen. Sie bewahrte in ihrem niedlichen Sekretär einen gültigen Ehekontrakt, der bewies, daß ſie die hinterbliebene Wittwe eines hochgeborenen Grafen ſei.
Welche beneidenswerthe Stellung für eine Lorette!
Aber auch wie ſchön, in ſolcher Stellung ſich dem Vergnügen eines Prunot, eines Sanguin, eines Chapi⸗ taur, eines Fürſten Trufaldini u. ſ. w. zu widmen....
Frau Gräfin von***, genannt Frau von Saint⸗ Pharamond, hatte gerechte Anſprüche auf die Achtung ihrer Mitſchweſtern, wie denn auch die für alles Edle und Schoͤne begeiſterten Redaktoren des Witzblattes*sn⸗ nicht verabſäumten, in jeder Nummer ihres Journales dieſen ihren weiblichen Mäcen zu beſonnetten........
Dragon, der Mignonne am Arme führte, und Poiret mit Bebelle ſchickten ſich zu der weiten Reiſe in ihre obſeuren Quartiere an. Auf dem ganzen langen Wege vertieften ſich die Vier in Erörterung der anfän⸗ lichen Streitfrage, ob der junge Mann auf der Galerie der Palot geweſen ſei oder nicht.
Auch die Logen entleerten ſich allmälig. Der Herzog und die Herzogin von Compans⸗Maillepré hatten die ihrige verlaſſen. Ehe letztere in den Wagen ſtieg, warf ſie Leon du Chesnel, der einen koſtbaren Shawl über Lea Verins runzelige Schultern deckte, einen gebie⸗ teriſchen Blick zu. Ohne Zweifel war dieſer Blick eine Ergänzung ihrer während der Abweſenheit des Herzogs gepflogenen Unterhaltung.
Gaſton und Sancta blieben vor dem Eingange der Galerie ſtehen; es ſchien, als wolle Gaſton alle Anwe⸗ ſenden die Revue paſſiren laſſen..
Zuerſt kam Lea Verin, die am Arme Leon du Ches⸗ nels einherwatſchelte. Trotz ſeines gebieteriſchen Lächelns merkte man dem Geſandtſchaftsſekretär an, wie ihn ſein Glück langweile. Er ſah Gaſton, erkannte ihn und wandte den Kopf ab.
Dann folgte Frau von Varannes mit ihrem Hof⸗


