Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1846)
Entstehung
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„Faleon iſt heute Abend göttlich bei Stimme,“ ſagte Frau von Varannes. 44

Die Antwort des Marquis ging in einem Rinfor⸗ zando des Orcheſters verloren, doch nicht für die Vi⸗ comteſſe, welche unmerklich erröthend abſah.

„Ihr ſchöner Vetter macht entſchieden der Frau von Varannes den Hof,“ ſagte die Herzogin von Compans⸗ Maillepré, deren Opernglas zwiſchen dem Marquis und Leon du Chesnel hin und her irrte, zum Herzoge.

„Sie iſt bezaubernd!“ dachte der Herzog ganz laut, ſich von dem lieblichen Antlitz Sancta's losreißend.

„Sie bleiben ewig jung, Herr Herzog!“ erwiederte Frau von Compans⸗Malillepré ſpöttiſch lächelnd.„Mit meiner Jugend verlier' ich auch meine Eiferſucht immer mehr...... Uebrigens verräth Ihr Herr Vetter für

„Das läßt ſich nicht von Herrn Du Chesnel ſagen!“ erwiederte der Herzog trocken.

„Sie thun ihm Unrecht,“ entgegnete Frau von Compans, bis unter die Schminke erröthend, doch ſchnell gefaßt:„Er macht einer Geſandtſchaft den Hof.“

In demſelben Augenblicke verneigte ſich der Herzog als Erwiederung auf den flüchtigen Gruß ſeines ſchönen Wetters.

Nach dieſem Gruß warf er ſich verdrießlich in den. Armſtuhl der Loge. Sein Blick irrte verſtohlen vom Marquis auf Du Chesnel, noch immer mit Lea Verin beſchäftigt, und von Du Chesnel auf ſeine Frau. Die tiefen Runzeln ſeiner Stirn und der grimme Blick des Auges zeigten, daß dieſe drei Perſonen ihm das Leben verbittern mußten.

Wie er ſo daſaß und die Augen gen Boden ſchlug, ſah ihn die Herzogin eine Sekunde lang von der Seite an, ohne Liebe, aber auch ohne Haß, mit größter Gleich⸗ gültigkeit. Alle Gefühle der Gattin für den Gatten waren aus ihrer Bruſt gewichen. Sie hatte ihn ab⸗ wechſelnd geliebt, verabſcheut, gefürchtet, wie man einen