Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

27

nimmer verzweifelnd, ſpazirten ſie auf und ab, bis ſie eine hungrige Beute mit dem verbrauchten Köder ihres Angels gefiſcht hatten.

In einem offenen Raume zwiſchen den Tiſchen be⸗ fand ſich ein aus fünf oder ſechs Muſikern beſtehendes Orcheſter, ſpeziell angewieſen, wie ihrer vierzig Lärm zu machen. Etwas rechts vor ihnen ſaß ein Menſch von hohem Wuchſe, bis an den Gürtel nackt. Um die Len⸗ den trug er einen Schurz aus bunten Federn. In ge⸗ höriger Entfernung von ihm ſtanden mehrere Trommeln von verſchiedener Größe. Dieſer Menſch ſtellte im Fa⸗ ſching des Jahres 1826 den Wilden Mann dar.

Trotz ſeiner aufrechten Haltung und der bewunderns⸗ werthen Fertigkeit, womit er die Trommelſtöcke von einer Trommel zur andern führte und wie ein vollendeter Künſtler die Wirbel ſchlug, war er hochbejahrt. Mitten auf ſeiner Bruſt hatte er mit großer Geſchicklichkeit einen Fuchs in kauernder Stellung eintätowirt. Ungefähr auf der Stelle des Herzens ſah man eine andere kleinere Zeichnung, deren Form ſich in der Entfernung nicht genau erkennen ließ, aber einem Wappenſchilde mit ſeiner Deviſe glich. Mochte es Kunſt oder Natur ſein, gleich⸗ viel. Sein Geſicht war von kupferrother Farbe; auf Stirn und Wangen machten ſich viele und tiefe Narben bemerkbar. Ein Halsband von groben Glasperlen ſchlang ſich dreimal um den ſehnigen Hals und klapperte, ſo oft er mit rieſiger Schnelle von einer Trommel auf die an⸗ dere langte. Ein hohes Diadem fächerartig arrangirter Federn ſchmückte ſein Haupt und an den Füßen trug er eine Art Halbſtiefel von rohem, ungegerbtem Fell, worauf noch die Haare feſtſaßen. 8

Gewöhnlich blickte er ſtier und ſtarr auf den Boden nieder, trotz der unglaublichen Fertigkeit, die er im Rühren der Trommeln an den Tag legte. Aber wenn er zufällig aufblickte, ſahen unter den weißgrauen Wim⸗ pern ein Paar große gläſerne Pupillen hervor, aus denen ein wahrhafter Leichenblick in's Leere hinausſtarrte.