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ſelbſt vom Garten aus hören. Aber an dieſem Abende hatten das Geraſſel der maskenbeladenen Kaleſchen, das Schmettern der Trompeten und das Hurrahgeſchrei der zahlloſen Volksmaſſen ſogar das Orcheſter der großen Oper betäubt. Kaum daß man am Rande der Keller⸗ treppe einige flüchtige Akkorde und die taktgemäßen Wir⸗ bel der Trommeln des Wilden Mannes hörte.
Carmen ſtieg zuerſt hinab. Weſtern fragte nicht, wohin ſie ihn führe; denn er war ganz verſunken in Bewunderung der reichen, üppigen Locken, die kunſt⸗ los über ihren Schwanenhals ſich ergoßen. Es war ihm zu Sinn, als erwache er aus ſchweren Träumen. Seine Stirne glühte, ſeine Schlaͤfen brannten unter den ſtruppigen, ins Gräuliche ſpielenden Haaren.
Je weiter er hinabſtieg, um ſo heißer und ſchwüler wehte ihm die Luft aus dem Keller entgegen und trieb ihm noch ungeſtümer das Blut in den Kopf. Seine Ohren ſummten, ſein Athem war kurz und ſchwer.
Als Carmen ihn hinter ſich keuchen hörte, lächelte ſie auf eine Weiſe, daß die reinen Linien ihres Mundes ſich haͤßlich verzogen.
„Geſchwind, geſchwind!“ rief ſie, ohne ſich umzuſehen.
Anmuthig und leicht hüpfte ſie über die letzten Staffeln der Treppe und durchſchritt den Keller in ſeiner ganzen Länge, nach einem leeren Tiſche ſich umſehend.
Weſtern folgte ihr wankend.
Alles um ihn erſchien ſeinen geblendeten Augen wie ein Trugwerk der Sinne. Zwar noch immer dieſelbe oder nahezu dieſelbe bacchantiſche Luſt, wie im Garten, aber der Schauplatz ſelbſt war ein durchaus anderer, wodurch Alles einen grellern, barokern Anſtrich bekam. Es fehlte an reiner Luft. Der ölige Dunſt der Lam⸗ pen, das beſtändige Athemholen ſo vieler Menſchen in kleinem Raume, der Staub und all die andern Aus⸗ dünſtungen einer eng gedrängten Maſſe verdichteten ſich zu einer ſchweren, erſtickenden, trüben Atmoſphäre, welche die Lichter mit einem gelben Nebelkreiſe umzog


