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teles gegolten hätte. Dieſer Saum und vorzüglich die
kühne Krämmung der beiden Brauen, welche hoch in die ſchneeweiße Stirn hineinragten, liehen dem Antlitz, trotz ſeiner vollendeten Harmonie und Regelmäßigkeit, den Ausdruck einer faſt männlichen Entſchiedenheit.
Aber aus dem Blicke ſprach das Weib.
Nicht die Jungfrau: das Weib! Ja, in dieſem Blicke liebte und lebte die Tochter Evas mit all' ihren ſieg⸗ reichen Buhlerkünſten und unbegreiflichen Schwächen.
Bald war's ein Funke, der aus den tiefblauen Augen unter langen ſeidenen Wimpern ſchüchtern her⸗ vorſprühte.
Bald ein ſengender Blitz, ein ſpitzer Pfeil, der die Lüfte durchſchwirrt, eine Flamme, die unter den von unbeugſamer Willenskraft gerunzelten Brauen ſtolz emporlodert.
Welche Liebe und welcher Zorn? Welche Hoheit und welche Gemeinheit?
Hinter dieſen großen blauen Augen brütete eine Seele, deren furchtbare Myſterien in ſolchen Momenten kein Menſch ergründen konnte. Wer hätte die dunkle Sprache dieſer rollenden Augen verſtanden, wo die Zärtlichkeit des Kindes, die ſchmeichelnde Sanftmuth des liebenden Weibes, aber auch die Kühnheit des Mannes, Berwegenheit in Gedanken und Worten und eine That⸗ kraft, die vor Nichts zurückſchrack, in ſchnellem Wechſel ſich ſpiegelte?
Dieſe ſchönen Augen waren ein Buch mit ſieben Siegeln, deſſen Hieroglyphen kein Sterblicher entzifferte. Sie zogen an, ſie bezauberten, und doch wußte Niemand ſich Rechenſchaft zu geben von der wunderſamen, aus Zweifel und Schrecken gemiſchten Empfindung, welche
ihr liebliches Gefunkel im Herzen zurückließ....—
Als der Fremde ſich am Arm berührt fühlte, fuhr er inſtinktmäßig zuſammen. Beim Anblick eines ſolchen
Weibes, das ſich zur Geſellſchaft aufdrang, wurde ihm
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