Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

17

Um hier als unumſchränkte Herrin gebieten zu kön⸗ nen, ſchloß die Unzucht keine der ſechs andern Todtſün⸗ den, ihrer Geſchwiſter, aus. Jede von ihnen hatte in irgend einem Winkel ihren privilegirten Altar oder richtiger ihre Altäre; denn das goldene Laſter zeigte ſich duldſam. Man ſah auch das Laſter, in Lumpen ge⸗ wickelt, die Schande, mit Koth beſpritzt, und in den

finſtern Höhlen der benachbarten Straßen diente das

Laſter oft zum Mantel des Verbrechens.

1 Aber was reden wir von Koth und Schmutz unter ſo vielen lachenden Geſichter, Perlen und Blumen? Was reden wir von Blut in mitten des ausgelaſſenen Jubels des Feſtes? Unſer Fremder hatte ſicherlich weder Zeit,

44 noch Luſt zu ſo trüben Gedanken. Alles, was er ſah und hörte, nahm ihn in Anſpruch: das ewige Ab⸗ und Zuſtrömen neugieriger Scharen, die buntſcheckigen Ko⸗ ſtüme, die ſchönen Weiber, bei deren Anblick ſein puri⸗ taniſches Gewiſſen ſchlug und deren verbuhltes Geblinzel

f er endlich ohne zu erröthen aushalten konnte....

Die Eſſenszeit hatte längſt geſchlagen, und da ſein

Hunger ſich zu regen begann, ging er zu Véfour. Der

Mann im Mantel folgte ihm daher und wählte ſeinen

Platz ſo, daß er unbemerkt jede ſeiner Bewegungen be⸗

cbachten konnte.,

In ſehr fremd klingendem Accente beſtellte der Fremde einige einfache Gerichte. Gleich darauf winkte der

Mann im Mantel demſelben Kellner und flüſterte ihm wenige Worte zu. 3 4Aber der Herr hat Nichts von dem Allen verlangt, 4 entgegnete der Kellner. 4Die Zeche zahle ich! ſagte der Herzog. 3 Der Kellner verneigte ſich und erſchien bald darauf

mit einer Flaſche Champagner, die er vor den Frem⸗ den hinſetzte. 28 Ddieeſer hielte ihn für gewöhnlichen Landwein und Aieß ihn ſich trefflich munden. Als die Flaſche ausge⸗ runken war, brachte der Kellner auf einen Wink des Pariſer Liebſch. I.