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Er hielt den offenen Brief vor's Auge und las ihn
nochmals durch. 1
„Ja, es iſt ſo!“ murrte er.„Sie hätten's mir bei Zeiten melden ſollen, Herr Joſepin!.... Ich weiß ſo gut, wie Sie, welchen Schlag die Ankunft dieſes Man⸗ nes mir verſetzen kann.... Und dieſe ledernen, trivialen Rathſchläge! Bezahle ich Sie deßhalb?.... Hölle und Teufel!“ rief er, aus ſeiner Stellung auffahrend und den Brief zerreißend,„nochmals an's Werk!.... Der dumme Kerl von Doktor preist ſie mir als ſchön!.... Aber wo ihn finden...“.
Er warf ſich auf's Neue in die Galerien, drängte ſich unſanft durch die Gruppen und muſterte nach wie vor die Geſichter, unbekümmert um's Gelächter und die Flüche, die er zu hören bekam. Es galt ja eine letzte, verzweifelte Anſtrengung.
Während er ſuchte, folgte ihm eine dritte Per⸗ ſon, Schritt für Schritt, wie ſein Schatten. Dieß war ein blutjunger Menſch, faſt noch ein Kind, auf deſſen reizendem Geſichte ſich in dieſem Augenblicke eine Art von boshafter Neugier ſpiegelte. Jede Bewegung des ſchönen Jünglings war leicht, graziös, kühn. Eine
eng anliegende, reich mit Schnüren beſetzte Polonaiſe
ſchmiegte ſich um einen Wuchs von mittlerer Größe, aber elegant und ſo ſchlank, daß die Schürzen der mei⸗ ſten Gartengottheiten ihm gepaßt hätten. Weite Bein⸗ kleider mit Stegen bedeckten den größten Theil der glanz⸗ ledernen Stiefel und eine Sammetkappe beſchattete halb die glänzenden Locken ſeiner ſchwarzen Haare.
In dieſer Zeit, wo das männliche Koſtüm bei den
Weibern faſt aller Klaſſen der Geſellſchaft ſo ſehr in der Mode war, daß der Polizeipräfekt von Paris im Jahre 1824 angeblich mehr als zehntauſend Erlaubnißſcheine ausſtellte, würde unſer Jüngling ganz natürlich für eine verkleidete Schöne gegolten haben, wenn nicht die Ober⸗ lippe einen leiſen Anftug weichen Bartflaums gezeigt hätte. Wie durchſichtig dieſe bräunliche Linie ſein mochte,


