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durch deſſen dicht verſchloſſene Jalouſten ein matter Schimmer fiel.
Dieß Fenſter gehörte einer ſchmalen, langen, ärm⸗ lich möblirten Kammer an, wo ein Mann, durch Krank⸗ heit abgezehrt und gebleicht, auf dürftigem Lager röchelnd ſchlummerte.
Vor dem Bette knieten drei ſchöne Mädchen, deren älteſtes ſechszehn Jahre zählen mochte, auf den kalten Flieſen und beteten mit gefalteten Händen.“
Am Kopfende ſaß eine noch junge Frau mit ver⸗ weinten Augen. Ihre Blicke, worin Zärtlichkeit und Verzweiflung ſich miſchten, hafteten auf dem blaſſen Antlitz des Kranken.
Hinter ihr ſtand ein ſchöner fünfzehnjähriger Jüngling mit gramumwölkter Stirne und tiefſinnig⸗ſtolzem Auge.
Hinter ihm ein Bauer in den Vierzigern, eine mus⸗ kulöſe, herkuliſche Geſtalt. Sein offenes, ehrliches Ge⸗ ſicht barg er in den Händen. 5
Mitten im Zimmer, vor dem faſt erloſchenen Heerd⸗ feuer, ſaß auf hartem Strohſeſſel eine hochbejahrte Greiſin und las mit ſchwacher, bebender Stimme die Schluß⸗ verſe eines lateiniſchen Gebetes..
Außer dieſer Dame, die ſtolz⸗aufrecht, kalt und vor⸗ nehm im Stuhle ſaß und die Gefühlloſigkeit ſelbſt ſchien,
trug Alles im ärmlichen Gemache die Spuren des tief⸗
ſten Elends und der bitterſten Bekümmerniß. Von Zeit
zu Zeit drang ein lautes Jubelgeſchrei aus dem Garten
herauf und erſtickte das eintönige Gebet der alten Dame. Dieſer Gegenſatz zwiſchen der trunkenen Luſt draußen und der ſinſtern, bis in ihre Thränen ſtummen Ver⸗ weſfnn drinnen, ſchnitt tief in's Herz. Als der Kranke
in Fieberträumen vom Bett auffuhr, ſtockte das Gebet
auf den bleichen Lippen der jungen Mädchen und der Jüngling warf einen wüthenden Blick auf das Fenſter,
als wollte er dieſem Chaos von Geſchrei, Geſang und
Gelächter zu ſeinen Füßen, das dem grauſamen Schmerze Hohn ſprach, Stillſchweigen gebieten.


