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Sein Blick fiel dabei unwillkürlich auf Lucinde. Sie hatte die Wimpern geſenkt, und eine feine Bläſſe lag auf ihrem Antlitz. Die Ruhe, womit Julian ſeiner Abreiſe gedachte, ſchmerzte und verletzte ſie zugleich. Ihr Stolz empörte ſich gegen den Gedanken, dem ge⸗ liebten Mann gegenüber, der ſo gleichgiltig von ihr weggehen konnte, die Schwäche ihres Herzens zu ver⸗ rathen. War nicht ſie es, die zuerſt ſeine Gefühle in die richtigen Schranken zurückwies? Welche De⸗ müthigung, wenn es jetzt den Anſchein gewänne, als verleugnete ſie ihr Wort, ihre Grundſätze, ihre Ver⸗ gangenheit! Es war unmöglich!„Erlaucht und Pro⸗ feſſorsfrau“— der Gegenhalt entlockte ihr ein bitteres Lächeln, und feſtete ihren Entſchluß. Im nächſten Momente nahm ſie an der gemeinſamen Unterhaltung mit einer faſt ausgelaſſenen Fröhlichkeit Theil.
Dem tiefblickenden Julian entging der Vorgang in ihrer Seele nicht. Je heiterer die Gräfin, deſto einſilbiger ward er. Wie ſchmerzlich empfand er es, daß die Bundesgenoſſin, die im Kampfe wider die Pri⸗ wilegien der Geſellſchaft ſo treu an ſeiner Seite ſtand, im Banne deſſelben Vorurtheils ſich befinde!„Es iſt Alles im Leben Widerſpruch!“ dachte er ſich, und der Gedanke der Entſagung ſtand unerſchütterlich feſt in ſeiner Seele. Eines aber blieb dem großen Menſchen⸗


