Teil eines Werkes 
2. Bd. (1870)
Entstehung
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zweite Verpflichtung auferlegte. Es gab giftige Zun⸗

gen genug, welche ihr das Urtheil der Welt über ihre Beziehung zum ehemaligen Hofmeiſter ihres Sohnes unter dem Scheine gutmüthiger Warnung zuflüſterten. Selbſt aus dem Munde ihres Gatten mußte ſie ſchwer verletzende Anſpielungen vernehmen, die ihr um ſo ſchmerzlicher auf die Seele fielen als ſie längſt im Kampfe mit ihren Gefühlen für Julian lag.

Und nun nehmen Sie auch von mir Abſchied, als ob ich fortginge! ſprach ſie, als ſie ihre zitternde Hand hinreichte, um ſein Gelöbniß entgegen zu nehmen. Wir müſſen offen ſein, Julian, und wir dürfen es, ohne gegenſeitig zu erröthen. Nicht bloß die Begebniſſe außer uns, auch das was in uns ſelbſt vorgeht, droht uns wie ein feindliches Verhängniß. Ich habe mich lange meiner Stärke gerühmt; aber jeder Kampf er⸗ müdet, und ich fühle mit zunehmender Angſt, daß die Schwachheit das gemeinſame Erbtheil des Weibes iſt. Wenn ich der Gefahr unterliege, ſo ſterbe ich! Nach dieſem Geſtändniſſe kann ich Ihnen nicht wieder unter die Augen treten. Nehmen Sie Abſchied von mir, Julian!

Und er that nach dem Willen der geliebten Frau,