Teil eines Werkes 
2. Bd. (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

Sicherheit und Selbſtbewußtſein. So bildete ſich in den Hofkreiſen, zu welchen er alsbald gezogen wurde, in nächſter Friſt ein feſtes Urtheil über ihn. Man ſtimmte vollkommen der Anſicht des ſcharfſinnigen Hofmedicus bei:Hochmüthig und arrogant, wie jeder Emporkömm⸗ ling! Nichts deſto weniger bewarb ſich Alles, vom Hofjunker bis zum höchſten Würdenträger, um deſſen Gunſt. Was man von ihn hielt, ziſchelte man ſich in die Ohren; was man von ihm wünſchte, kleidete man in die Sprache tiefſter Verehrung für den genialen Mann. Julian wußte, wie er das Alles zu nehmen habe. Er ſah durch die ausgeſchnittenen Augenhöhlen der Larven das ganze Geſicht dieſer Schauſpielerbande, und begnügte ſich, ſie gründlich zu verachten.

So vergingen Jahre, ohne daß es La Rochelle ge⸗ lang, den wachſenden Einfluß eines Rivalen zu hemmen, den er ſich ſelbſt an die Seite hatte ſetzen müſſen. Noch ruhte zwar die perſönliche Neigung des Fürſten vorzugsweiſe auf ihm; aber er fühlte, wie ſein Anſehen in den maßgebenden politiſchen Kreiſen allgemach ſchwand. Julians Stimme überholte ſeine Rathſchläge und der Fürſt hielt alsbald auf deſſen Worte mehr, als auf das Votum des geſammten Miniſterraths.

Noch ein wichtiger Umſtand machte den Grafen be⸗ denklich. Von ſeinen Schmeichlern und Paraſiten zog

1