Teil eines Werkes 
1. Bd. (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

157

wußt zu werden. Raſch richtete ſie ſich aus ihrer vor⸗ gebeugten Haltung empor. Ein dunkler Carmin flammte auf der Höhe ihrer Wangen und die ſchönen Formen ihres Mundes verunſtaltete ein Zug verachtenden Hohnes. Kalt und gemeſſen erwiderte ſie:Nun ſo wünſche ich Ihnen alles Glück in der ſichern Um⸗ friedung Ihrer neuen Häuslichkeit. Ich hoffe, Sie werden noch ab und zu den Weg finden an die Schwelle unſeres Hauſes.

Damit reichte ſie ihm die Hand zum Kuſſe. Julian ſchien zu zögern; aber in ſchnell gewonnener Faſſung neigte er ehrerbietig das Haupt, und indem ſeine Lippe kaum die Spitzen dieſer feinen Finger berührte, ſagte er in ruhigen, faſt ſcherzhaftem Tone:Sie kommen meiner Bitte entgegen, gnädige Gräfin. Gleich dem gewiſſenhaften Autor möchte ich kein Kapitel der un⸗ bedeutenden Novelle meines Lebens abſchließen, ohne von Zeit zu Zeit darauf zurück zu kehren. Man denkt richtig, aber die Feder reißt uns im Fluge hin. Vieles bedarf der Klärung, Vieles der Auslegung. Ich erbitte es mir als eine beſondere Gunſt, hier und da noch an der Pforte des Hotel La Rochelle anklopfen zu dürfen.

Räthſelhafter Menſch! ſagte Lucinde halblaut vor ſich hin, als die Portiere hinter Julian wieder zu⸗ ſammenrauſchte. Dann ſetzte ſie ſich an das Fenſter