Teil eines Werkes 
1. Bd. (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

155

Jünglingen erhalten hatte.Die jungen Philoſophen befinden ſich in einem Zuſtande ſo vollendeter Glück⸗ ſeligkeit, entgegnete er,daß die leiſeſte Beſorgniß um ſie eine Verſchwendung wäre.

Nicht daß ich mich kümmerte! erwiderte Lucinde.

Ich bin viel ſelbſtſüchtiger und eigennütziger, als Sie wähnen. Der eigene Mangel an lieber Anſprache betrübt mich, und ich kann dieſe Verkürzung an meinen theuerſten Bedürfniſſen nur mit Schmerz ertragen. Als ich letztes Frühjahr von Lucian Abſchied nahm, war es eine ganz andere Empfindung, obwohl ich mich auf eine Trennung für Monate gefaßt machen mußte. Aber der Gedanke einer jahrelangen Entfernung es iſt wahr, in allen unſern Schmerzen liegt viel Einbildung. Der Verluſt betrübt uns weniger, als der Gedanke an ſeine Dauer. Und dennoch können wir nicht anders.

Setzen ſie wollen ſtatt können! entgegnete Julian, fügte aber ſchnell wie verſöhnend bei:Die karge Natur hat uns, neben einer anſtändigen Fülle von Mängeln, doch auch mit manch' einer ſchönen Morgengabe ausgeſtattet. Die Fähigkeit, ſich in das Gewohnte zu fügen und es zuletzt lieb zu gewinnen, gehört nicht zu ihren kleinſten Geſchenken. Auch die Sehnſucht nach den entfernten Lieben und die Sorge