Teil eines Werkes 
1. Bd. (1870)
Entstehung
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einer Minute. Aber ſie durchleben, am Rechentiſche durchleben, zwiſchen Steuerrollen und Sportelregiſtern, im Aktenſtaube und Modergeruche vergilbter Dokumente, das iſt eine ſchwere Sache. Bei einer Arbeit, welche den Körper nicht anſtrengt und dennoch ermüdet, den Geiſt nicht anregt und dennoch erſchöpft, reiht ſich Se⸗ kunde an Sekunde in zäher Langſamkeit.

Der Amtmann war ſchon hektiſch, als er ſeine be⸗ ſchwerliche Stelle antrat. Da er endlich der Schwind⸗ ſucht erlag, wunderten ſich die Leute nur, wie er es ſo lange habe treiben können.

Der letzte Reſt ſeines Erdenwallens war ſchmerz⸗ liches Siechthum. Seine trübe Laune ließ keine Freu⸗ digkeit aufkommen im Hauſe, und Monate lang durfte ſeine Gattin das Krankenlager nicht verlaſſen. Und dennoch als er im Todbette lag, da meinte ſie, daß all der Kummer und die Sorge nichts wiege gegen den Verluſt eines geliebten Mannes. Es kam ihr vor, als ſei ihr Herz eine leere Stätte geworden, und ihre Gedanken fänden dort keine Stelle mehr, um auszuruhen. Sie wußte nicht, was ſie eigentlich noch weiter zu leben hätte.

Der Sterbemonat war vorüber, und ſie mußte aus⸗

ziehen. Die geräumigen, ſchönen Gelaſſe des Amt⸗

hauſes wurden mit einer Miethwohnung vertauſcht,