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konnte dann wieder fühlen, wie zur Zeit, als Lucie neben ihr ſtand— als Philipps Brief alle die Fibern, die ſie mit einer ruhigeren Vergangenheit in Verbindung ſetzten, zum Erbeben gebracht hatte. Sie ſaß bis weit in die Nacht hinein ſtill da, ohne ſich bewogen zu fühlen, in ihrer Haltung etwas zu ändern, ja ſelbſt ohne zureichende Willenskraft, einen geiſtigen Halt im Gebet zu ſuchen; ſie harrte nur des Lichtes, das ſicherlich wieder kommen mußte. In dieſer Stimmung tauchten die Erinnerungen auf, die keine Leidenſchaft auf die Dauer zu erſticken ver⸗ mochte; die lange Vergangenheit trat wieder vor ihre Seele, und zugleich begannen die Brunnen ent⸗ ſagungsvollen Mitleids, treuer Anhänglichkeit und guten Willens auf's Neue zu ſtrömen. Die von der ruhigen Hand in dem alten Büchlein angeſtrichenen Worte, die ſie längſt auswendig wußte, machten ſich von ſelbſt Luft in einem Flüſtern, das verloren ging in dem Klatſchen des an's Fenſter ſchlagenden Regens und in dem lauten Stöhnen und Sauſen des Win⸗ des:„Ich habe das Kreuz empfangen, ich habe es empfangen aus Deiner Hand; ich will es auf mich nehmen und tragen bis in den Tod, weil Du es mir auferlegt haſt.“ 3 Aber bald ſtiegen auch andere Worte auf, die 7 nur ſchluchzend hervorquollen:„Vergib mir, Ste⸗ phen. Es wird vorübergehen. Du wirſt zu ihr zu⸗ rückkehren.“. 3 Sie nahm den Brief auf, hielt ihn an das Licht und ſah zu, wie er langſam auf dem Herd ver⸗ brannte. Am Morgen wollte ſie ihm ſchreiben und auf immer von ihm Abſchied nehmen. ſ


