heraufzubeſchwören ſuchte, bei Seite gedrängt durch das Bild Stephens, welcher auf das einzige Wort harrte, das ihn zu ihr bringen ſollte. Sie las den Brief nicht, ſondern glaubte deutlich die Worte zu hören, und die Stimme erſchütterte ſie mit der alten ſeltſamen Gewalt. Den ganzen vorherigen Tag war ihr das Bild einer einſamen Zukunft vorge⸗ ſchwebt, durch die ſie, nur von ihrem guten Glauben aufrecht gehalten, die Laſt der Klage hinſchleppen ſollte. Und hier in ihrem nächſten Bereich lag eine andere Zukunft, die ſogar Anſprüche an ſie erhob— eine Zukunft, in welcher ſie ein ſchweres Loos aus⸗ tauſchen konnte gegen ein ruhiges, köſtliches Anleh⸗ nen an die liebende Kraft eines Andern. Und doch wirkte die Verheißung des Glücks, die an die Stelle der Trauer trat, nicht mit der wilden Gewalt der Verſuchung auf ſie. Es war der Ton des Jammers
in Stephens Brief— der Zweifel in die Gerechtig⸗ keit ihres Entſchluſſes, was die Wagſchale zum Wan⸗ ken brachte und ſie bewog, plötzlich von ihrem Sitz aufzuſpringen und nach Feder und Papier zu greifen, damit ſie niederſchreibe:„Komm!“
Aber kaum war die That vollbracht, als ſie ſchon wieder davor zurückbebte und der Geiſt des Wider⸗ ſpruchs mit ihrem vergangenen Ich in den Momen⸗ ten ihrer Kraft und Klarheit wie der Schmerz einer bewußten Herabwürdigung ſich ihrer bemächtigte. Nein— ſie mußte warten— mußte beten— das Licht, das ſie verlaſſen hatte, kam ſchon wieder; es mußte ihr bald aufs Neue ſein wie damals, als ſie entfloh unter einer Eingebung, die ſtark genug war, ihren Schmerz und ihre Liebe zu überwinden; ſie


