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den glücklichen Tag vorzubereiten, an dem man die Trauer um eine begrabene Schweſter abzulegen dachte, um den rückkehrenden Vater Lennig und den Trauſegen des Pfar⸗ rers Chambion feſtlich zu empfangen.
Doch darüber ging noch der hohe Monat Auguſt hin.
Endlich wurde am Landungsplatze des Schloßgartens eine Ehrenpforte errichtet und ausgeſchmückt. Bald glitt ein Boot zwiſchen den Inſeln hindurch, und lenkte nach dem Geſtad herüber. Jetzt fielen vom Tempelhügel des Gartens Böllergrüße des Willkomms. Frau Hildegard mit Fides und Franz Karl an beiden Händen, Meiſter Cratz und Gertrud im Sonntagsſtaat, Chambion und der Schulmeiſter, die Bedienten in Gala gruppirten ſich um die geſchmückte Pforte. Und als Herr Erasmus Lennig lächelnd und bewegt die Ufertritte heraufkam, wußte er nicht, wen er zuerſt umarmen ſollte. Da trat Nazi als Liebesgott hervor und überreichte dem Ankömmling einen friſchen Eichenkranz. Vom Balkon ſpielte Muſik.
Die Begrüßungen und Erklärungen, die Glückwünſche und Umarmungen waren vorüber, die Erfriſchungen ein⸗ genommen, da rief Lennig in vertrautem Kreiſe:
Ja, hier laſſ' ich mich willkommen heißen! Vergeſſen wir Mainz, hier am Sitze des Friedens, wo Liebe und Verſtändniß der Zeit einander die Hände reichen, Eins dem Andern dient, Eins das Andere beherrſcht! O hätten wir nur noch zwei edle Freunde mit herüberretten können! Der gute Blau liegt ohne viel Hoffnung darnieder. Die ſchmählichen Mißhandlungen haben ſeine kranke Bruſt hart getroffen! Katharine iſt wenigſtens doch zu ſeiner Pflege


