Zwölftes Kapitel.
Es war wieder ein ſo ſchwüler und gewitteriger Tag, wie jener, an welchem Garzweiler vor der Kaiſerkrönung, das goldene Vließ einer Familie zu gewinnen, den ſtillen Rhein hinabgeſchifft war, als heut Baron Franz Karl mit ſeiner Fides und Frau Hildegard langſam die große Bleich hinabfuhr, um mit eben ſo ſüßen und heimlichen Hoffnungen dieſelbe Gondel zu beſteigen. Er hatte ſich dies Fahrzeug von den Erben Jean Baptiſt's ausbehalten, als er ihnen die nöthigen Nachweiſe über den Tod des reichen und unglücklichen Schiffers mit guten Rathſchlägen zuſtellte.
Der Sonntag Portiuncula ward gefeiert. Noch lagen Schutt und Schmutz in allen Gaſſen. Denn von oben bis zum geringſten der zurückgekehrten Diener herab, wa⸗ ren Alle ſo voll perſönlicher Anliegen und gieriger Be⸗ mühungen, daß man des öffentlichen Wohls noch immer nicht achten konnte. Zum Vergnügen oder zur Andacht geputzt, trieb ſich die bürgerliche Einwohnerſchaft auf— und zwiſchen dem Braß von Brand und Einſturz, wie Mücken auf der Fäulniß, fröhlich hin und wieder. Aus halbverbrannten, mit Balken geſtützten Häuſern wirbelte der Rauch von Garküchen für die Soldaten und Familien, die noch des eigenen Herdes entbehrten. Tanzmuſik und Jubel zechender Preußen und Heſſen erſcholl aus Kneipen
Koenig, Elubiſten in Mainz. III. 22
————O——C—B—V———


