326
ſterrufe geſtanden, und hier noch erblickte man an Bruch⸗ ſtücken vergilbter Wände die Kreuze und Heiligennamen, die man von Zeit zu Zeit als Geſpenſterſcheuchen unter geſprengtem Weihwaſſer angeſchrieben hatte.— Indem das wandernde Paar ein oder das andere noch erhaltene Gebäude betrat, fanden ſie, zu ihrem noch lebhafteren Verdruß, ſtatt betrübender Zerſtörung die empörenden Spuren von Rohheit, Muthwillen und Frevel, die ſich an Decken und Wänden, an Stuck und Marmor ausge⸗ laſſen, als dieſe Räume zu Wachtſtuben, Einquartierungs⸗ ſälen, Schneiderwerkſtätten u. dgl. gedient hatten.
In die Nähe des Schloſſes durfte man ſich kaum wa⸗ gen, und man errieth hinter breternen Angebäuden die ſchmähliche Verunreinigung dieſes hohen Fürſtenſitzes. CEine Wildniß ineinandergeſchobener Kanonen, Lavetten, Pulverwagen, theils vom Feinde zerſtört, theils im Ge⸗ brauch verdorben, erfüllte den weiten Platz.
Einige Reiter begegneten dem Paar auf der großen Bleich, und Franz Karl, als er den ſtattlichſten darunter von weitem erkannte, flüſterte ſeiner Fides den Namen Goethe zu. Die kleine Geſellſchaft war nach dem Ab⸗ zuge des letzten franzoſiſchen Regiments, um den Zuſtand der Stadt zu beſchauen, von Marienborn hereingeritten. — Ha, welch' ein erquickender Anblick! rief der Dichter aus, als ihm der Baron ſeine Braut vorſtellte. Ein ſchönes Paar, liebend und verlobt, und mit Werde⸗ luſt auf eine glückliche Zukunft gerichtet, begegnet uns zwiſchen dieſen beklagenswerthen Ruinen! Sagt, ihr Freunde! Sollen wir es mit zwei Edelſteinen verglei⸗ chen, die aus dem zerbrochenen Luſtpokale von Mainz


