Worms hörte er über Nacht, daß bereits die Außenwerke der Feſtung von den Deutſchen beſetzt wären. Mit den beſten Erwartungen brach er alſo in der Frühe des 24. Juli auf und kam, mittelſt des in Frankfurt erwirkten preußiſchen Reiſepaſſes, unbehindert am Chauſſeehauſe bei Marienborn, zwiſchen den Lagern und Batterien der Preu⸗ ßen an. Die Stadt war noch nicht geöffnet, und der Baron hatte zu überlegen, was er inzwiſchen vornehmen möchte. Die Ordnung des Lagerdienſtes inmitten der Kriegsverheerung wäre hier zu beobachten geweſen, hätte nicht eine ungewöhnliche Menge von Menſchen aller Art die Aufmerkſamkeit des Freundes noch näher und lebhaf⸗ ter auf ſich gezogen. Auch was er hier ſah, konnte er mit einer Ernte vergleichen; denn dies bewegte Volk war eben darauf geſpannt, die Früchte in Empfang zu neh⸗ men, die das jetzt ruhende Geſchütz abgeſchüttelt hatte. Daher trieb ſich, indeß die Arbeit des Belagerungsheeres ruhte, dies erwartungsvolle Völkchen unruhig genug um⸗ her,— obdachloſe Einwohner der nahen, abgebrannten Ortſchaften; mainzer Ausgewieſene, die mit ihrem leichten Gepäck in ihr Eigenthum einzuziehen nicht erwarten konn⸗ ten; Ausgewanderte, die zu Wagen und Pferd ihren Triumpheinzug vorbereiteten; dazwiſchen auch Neubegierige aus Frankfurt und der Umgegend, die das ſo ſeltene Schauſpiel einer Belagerung und die durch Bomben zer⸗ ſtörte Bühne deſſelben nicht gern ungeſehen ließen.
Im Schatten zur Seite des Chauſſeehauſes haltend, beobachtete der Baron das Treiben nah und fern und ſah, wie ſorgfältig die ehemals Ausgewanderten ſich von den Ausgewieſenen geſondert und entfernt hielten.— Ge⸗


