32 mit der Miene der höchſten Wichtigkeit nach dem Schloß eilte.— Herr Studinger, Herr Studinger! riefen ihm mit ſchalkhaftem Hüſteln zweideutige Weibsperſonen zu, von denen ſonſt ein Mann von ſolchen äußeren Anſprü⸗ chen nicht gern gekannt iſt. Die Straßenbuben und mü⸗ ßige Lehrburſche pfiffen ihm, warfen mit loſem Kies hin⸗ ter ihm her und riefen: Studinger, verſchlagener Stadt⸗ Cupido!— ein Spottname, der auf bedenkliche Geſchichten zu deuten ſchien.
Hinter dieſer luſtigen Ausgelaſſenheit zogen ſich im⸗ mer mehr Gruppen ernſter Bürger zuſammen, die ſich mit einer ſchweren Frage zu beſchäftigen ſchienen. Franz Karl, von ſeiner beobachtenden Unruhe umhergetrieben, erkannte einige ſeiner Galerie⸗Nachbarn aus dem geſtrigen Club und redete ſie an. Die Ehrerbietung, womit ſie den Baron begrüßten, verrieth, daß dieſe gelaſſenen Män⸗ ner ſich noch nicht von allen Folgerungen der neuverkün⸗ digten Freiheit und Gleichheit hatten einnehmen laſſen. Mehrere geſtanden dem Baron ein, daß ſie nach den geſtrigen heftigen Reden nur noch unentſchloſſener gewor⸗ den ſeien, und ſich eben an einen Mann gewendet hät⸗ ten, auf den ſie ein großes Vertrauen ſetzten.
Aha! rief der junge Freund, nun errathe ich ſchon euer Orakel. Ich ſah vorhin einige unſerer braven Bür⸗ ger in die Wohnung des geheimen Staatsrathes von Müller gehen. Nicht wahr?
So iſt es, Herr Baron! war die Antwort. Und hat denn wirklich der Herr Staatsrath den kurfürſtlichen Dienſt verlaſſen? 1
Ja, erwiderte Franz Karl. Er iſt ſeit geſtern zurück⸗


