4⁵ keit iſt abgeſtorben; allein der Pöbel iſt eine Hyäne, ein Grabthier, das auch eine Leiche nicht verſchmäht. Von der Rednerbühne dieſer deutſchen Sansculotten herab ver⸗ nimmt das wankelmüthige Völkchen allen Schimpf und Hohn auf ſeinen ehemaligen Herrſcher, alle die Mängel, Gebrechen, Ungerechtigkeiten, Tyranneien und wie man es ſonſt bezeichnen mag, was früher in Mainz von oben geſchah, und Verwünſchungen gegen den entflohenen Prie⸗ ſterfürſten werden laut.
Heiliger Franziskus, bitte für uns! ſeufzete Hila⸗ rion, indem er die derben braunen Hände zuſammen⸗ ſchlug. Das thun die Mainzer? Und unterm Dach ihres rechtmäßigen Herrn und Erzbiſchofs? Da ſollte man ja glauben, der Pöbel ſetze ſich auf den geweihten Thron! Iſt das nicht, als ob die von Gott beſtellte Herrſchaft der glücklichen Kurlande auf den Kopf geſtellt ſei, und die emporgeſtreckten Füße, ja eine jede ſchmutzige Zehe wolle ſich die Krone oder ein Krönchen aufſetzen? Wie werd' ich das Sr. kurfürſtlichen Gnaden beibringen? Er wird die Tollheit gar nicht begreifen.
Mit kaum verſtecktem Hohn erwiderte Garzweiler:
O vielleicht doch, Hilarion! Er iſt ein gar einſichti⸗ ger Herr, und kennt ja ſchon das alte Sprichwort: Wenn die Katze fortgelaufen, ſpringen die Mäuſe auf Tiſch und Bänke. Es iſt mir nur lieb, mein Freund, daß unſer alter Kater— mit ehrfurchtsvollem Spaß zu ſa⸗ gen!— ſich erſt gut herausgefüttert hat, um die Mäuſe eine Zeitlang zu entbehren. Er hat nämlich glücklicher⸗ weiſe alle Landeskaſſen mitgenommen, ſelbſt die Pupil⸗ len- und Witwenkaſſegelder. Du kannſt dir denken,


