Teil eines Werkes 
Bd. 9Die Clubisten in Mainz : ein Roman in drei Theilen : Th. 3 (1857)
Entstehung
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Feier. Die Glocken läuteten zu den Meſſen des Aller⸗ ſeelentags, und dieſe Andacht der Trauer und wehmüthi⸗ ger Familienerinnerungen trieb die Menſchen zahlreich nach den Kirchen. Die Gemüther der Gläubigen ſtimmten ſich leicht zu dieſer Feier, wozu man dunkle Kleider, und die Bürgerfrauen ihre ſchwarzen Mäntel angelegt hatten. Nur das Getümmel auf den Straßen blieb dieſem Tage fremd. Es wimmelte von Soldaten der franzöſiſchen Linientrup⸗ pen und Nationalgarde; Trommeln wirbelten; luſtig tönte, geſungen und gepfiffen, das ſtürmiſche Ca ira durch die Gaſſen und von unharmoniſchen Blech⸗Inſtrumenten rauſchte die Marſeiller⸗Hymne. General Neuwinger rückte mit einer Truppenabtheilung aus, um in der Nähe von Frank⸗ furt den General van Helden zu decken, der dieſe Reichs⸗ ſtadt gleich nach der Einnahme von Mainz überrumpelt und beſetzt hatte, und ſich von heranziehenden Preußen und Heſſen bedroht ſah.

Heut, an dieſem feierlichen Tage, fiel das Getümmel und das ganze abſtechende Ausſehen der Franzoſen beſon⸗ ders auf; da ſie noch eben ſo zerlumpt und ſchmutzig er⸗ ſchienen, wie ſie vor zwölf Tagen nach der unerwarteten Capitulation eingezogen waren. Das Geſindel lachte; aber der wohldenkende mainzer Bürger konnte ſich nur ſehr ſchwer an die luſtige und lebhafte Unſauberkeit gewöhnen, die nicht blos Parade machte, ſondern auch gerade in den beſſeren Wohnungen Quartier genommen hatte. Wo ſich der Soldat, beſonders von der Nationalgarde, ohne Strümpfe oder mit ungeflickten Beinkleidern zeigte, wen⸗ dete ſich der Blick der Frauen erſchrocken ab, als könnte das Kleidungsſtück vollends reißen und der Mann auf