60 Comteſſe. Dieſe findet mein Oheim eben ſo liebenswür⸗ dig, als ſchön. Und ſie ſoll ſich durch den Umgang mit dem Baron ſehr zu ihrem Vortheil gemacht haben: denn früher wäre ſie ſehr neckiſch und ausgelaſſen geweſen; jetzt aber ſähe ſie eher etwas träumeriſch, aber ſo recht glücklich und befriedigt aus. Beſonders lobt mein Oheim den feinen Takt, wie er's nennt, womit ſie als geheime Braut ſich vor den Menſchen ſehr zärtlich und doch ganz unbefangen zu betragen wiſſe.
O das iſt die Eingebung ihres Herzens! rief Fides bewegt. Man kann Alles, wenn man liebt. Und bei ſoviel Liebe— was wird ſich der Baron um dieſe Gräfin kümmern? Wie könnte ſie ſein ſchönes Glück ſtören?
Ihre Thränen zu verbergen, wendete ſich Fides mit der gleichgültigen Frage ab: Wißt Ihr nicht, Gertrud, was es eigentlich mit der Coudenhovin iſt?
Nein, antwortete dieſe mit einiger Befangenheit; oder vielmehr, ich hab' es nicht verſtanden, was man davon ſprach; doch ſoll es dem Herrn Baron verdrießlich gewe⸗ ſen ſein; ſo daß er auswärtige Geſchäfte geſucht hat. Der Kurfürſt hat ihn auch nach Lüttich geſchickt.
Ja, das hat mir mein Vater erzählt, wendete Fides
ein. Der dortige Fürſtbiſchof hat für die ihm geſtellten mainzer Soldaten 400,000 Gulden Entſchädigung zu be⸗ zahlen, verſäumte den Zahlungstermin, und der Kurfürſt braucht doch jetzt viel Geld.— Auch in Worms beim Prinzen Conde hat der Baron Geſchäfte gehabt,— wie mein Vater ſagt, wegen der Emigrirten, die ihre Sache jetzt nach dem Rathe des Kurfürſten an die hier verſam⸗ melten Monarchen bringen ſollen.


