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Welche Ueberraſchung für unſern Freund! Er fand nicht gleich Worte; er bog das Knie zum Dank gegen ſeinen Fürſten, der ihm die Hand zum Kuß reichte, und ſeine Bewegung mit den Worten unterbrach: Schon gut, lieber Baron! Ich mache ja eine Acquiſition an Ihnen für das Kabinet, und bin nur zufrieden, Sie ſo geſtellt zu haben, daß Sie eine Acquiſition für Ihr Herz machen können. Ich höre, daß Sie ein Tendre für die Comteſſe Coudenhove hegen, für die Joſephine, und ich kann Ihnen verrathen, daß Sie ihr nicht gleichgiltig ſind.
Dieſe Eröffnung verwirrte den jungen Freund. Das Schmeichelhafte derſelben aus fürſtlichem Munde drängte ſich einer ernſten Betrachtung und allen Bedenklichkeiten vor, die unter anderen Umſtänden Zutritt bei ihm gefun⸗ den hätten. Schon durch die vorausgegangene Beförde⸗ rung war ſeine Stimmung für jede ruhige Prüfung des Herzens zu hoch geſpannt. Er erklärte ſich, als der Kur⸗ fürſt mit erwartenden Blicken ſchwieg, über Joſephinens Vorzüge und war im Schwung ſeiner Empfindungen nicht mäßig mit ſeinem Lobe. Der Kurfürſt lächelte ſchalkhaft. — Ein junger Baron, wie Sie, Herr Regierungsrath, ſagte er, der bei ſo viel eigenen Anſprüchen ſo lebhaft von den Reizen und Vorzügen einer jungen Dame ein⸗ genommen iſt, kann nicht ohne Wunſch ſein, ſelbſt wenn er ohne Muth wäre. Aber ein Cavalier wie Sie,— wie wäre der ohne Muth? Ja, ja, die Comteſſe iſt der ſchönſte Schmuck unſeres an reizenden Damen doch nicht armen Hofs. Sie war letzten Winter auf den Hofbällen am Damenhimmel die ſtrahlende Venus, und ich bemerkte oft einen jungen Baron, der mit ſeinen ſchwärmeriſchen


