Teil eines Werkes 
Bd. 7Die Clubisten in Mainz : ein Roman in drei Theilen : Th. 1 (1857)
Entstehung
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Sitzungen über den Angelegenheiten der neuen Wahl, der Krönung und all' dergleichen. Im Vertrauen, lieber Fechenbach! Die neue Wahl macht mir erſtaunlich viel Sorgen. Sie wiſſen, daß höchſt wahrſcheinlich nachher ein Fürſten⸗Congreß hier gehalten wird. Ich rede nicht von den großen Koſten, die uns dadurch erwachſen: denn dazu müſſen Mittel beſchafft werden. Mainz iſt es ſich ſelbſt ſchuldig, dieſer Ehre würdig zu erſcheinen. Es iſt für uns ein ewig denkwürdiges Ereigniß: die Schickſale Europas ſollen hier gewürfelt werden! Nein, ich rede von der Politik, die dabei zu befolgen iſt. Die Gewichte der Kabinete drücken auf Mainz; mein Fuß ſteckt ſchon mit darunter, und was ſagen Sie dazu, Fechenbach, daß ich auch noch Ihren Kopf darunter ſchieben will?

Kurfürſtliche Gnaden? verſetzte der Domdechant etwas zweifelhaft über den Sinn des Scherzes.

Hören Sie! Wenn je zu einem Wahlconvent in Frankfurt ein ausgezeichneter Kopf nöthig war; ſo iſt es diesmal. Dort muß vorbereitet werden, was wir hier beſchließen, gegen Frankreich und für die Welt. Die Würfel und die Würfe müſſen verſucht werden, ſo daß die beſten Augen obenauf kommen und zählen. Ich habe Sie mir dazu erleſen, Herr Domdechant. Sie ſollen dort unſer erſter Miniſter ſein. Sonſt thaten es Rang und Vermögen: diesmal ſind auch noch Einſichten und Talent nöthig. Ich ſchätze mich glücklich, dies Alles jetzt beiſam⸗ men zu finden bei meinem Freunde Fechenbach!

Der Dechant, der etwas dergleichen erwartet haben mochte, nahm den Antrag mit einer verbindlichen Ruhe auf, durch die jedoch der ſcharfblickende Fürſt eine innere

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