Teil eines Werkes 
Bd. 7Die Clubisten in Mainz : ein Roman in drei Theilen : Th. 1 (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

58

Wie ich kurfürſtliche Gnaden kenne, lächelte Forſter, wird der Erzbiſchof von Mainz den Proteſtanten des Kurfürſten von Mainz auch jenſeits etwas zu gut kom⸗ men laſſen, für das, was ſie dieſſeits leiſten. Eure Durchlaucht kennen wol, aber lieben nicht die zwei größten Despoten der Welt.

Wer ſind dieſe? fragte der Fürſt lebhaft.

Das Alleinrechthaben und das Alleinſelig- machen, antwortete Forſter. Der Fürſt will es,— alſo iſt es recht; der Prieſter ſagt es,— alſo iſt es wahr! Beiſpiele ſind überall auf der Erde. Braminen⸗ despotismus und päpſtliche Alleingewalt haben Aſien und Europa beinahe Jahrtauſende in Dummheit und Elend verſenkt gehalten. Vergebung, kurfürſtliche Gnaden!

Während dieſer kühnen Worte Forſter's hatte der Kur⸗ fürſt ſeine Bonbonniere wieder hervorgeholt, ſchüttelte etwas Zuckerwerk in die linke Hand und aus der Hand mit zu⸗ rückgelegtem Kopf in den laut einſchlürfenden Mund. Unter lebhaftem Kauen ſagte er dann: Sehr wahr! Sie wiſſen ja, was ich mit den Emſer Punktationen wider Rom gewollt habe.

Ewigen Dank dafür! rief Forſter mit Wärme. Es wird wenigſtens ein unvergeßliches Vorbild bleiben. Da⸗ rum wollen wir nicht aufhören zu rufen: Freiheit! gren⸗ zenloſe Freiheit in Allem, was über das Sinnenweltliche hinausgeht! Jeder wähle ſich ſeinen Weg, ohne daß es auf ſeine politiſchen Verhältniſſe Einfluß habe. Jeder glaube ſo wenig oder ſo viel, als er kann; Jeder ſage frei und ohne Furcht, was er glaubt; Keiner erfreue ſich blos der Duldung, ſondern Jeder des anerkannten