ob Hermann nicht etwas verſtimmt zu uns gekommen ſei; Cecile hat wahrſcheinlich ihren Brief vermißt und iſt hin⸗ ter Hermann's heimlichem Wegeilen, wie es Frau Simeon nannte, auf dieſelbe Vermuthung gekommen, auf der ich jetzt ſelber bin.
Bei Gott, nicht anders, Lina! fiel Ludwig ein. Her⸗ mann hat das Billet raſch eingeſteckt, konnte es natürlich auf der nächtlichen Straße nicht leſen, vergaß es während unſerer Fröhlichkeit, und da er ſpät und etwas beduſelt nach Hauſe kam, ließ er es im Rock ſtecken.
Richtig, lieber Mann, ſo kam es aus der Taſche— vom raſchen Einſtecken zuſammengedrückt!
Ja, Lina! Aus Wuth nach dem Leſen hätte er es ſchwerlich zuſammengeballt und wieder eingeſteckt; er hätte es vernichtet, oder zu einem ſpätern Zweck mit Ueber⸗ legung aufbewahrt. So wären wir denn auf einmal klar!
Wie bin ich nun doch froh, Ludwig, daß ich mich zu dem Beſuch überwunden habe! Aber nie ſoll Hermann das fatale Billet zu ſehen bekommen. Ich will ihm— nicht wahr, Ludwig, wir wollen ihm die Beſchämung, die Kränkung erſparen, ſein Herz einem ſo unwürdigen Ge⸗ genſtande hingegeben, ſich ſo getäuſcht zu haben?
Nun, Lina, ſo weit war es vielleicht noch nicht! lächelte Ludwig. Wenn es aber war und dies Volk hatte, wie der Brief vermuthen läßt, Abſichten auf den Getäuſchten: wie können wir ihn ſicherer enttäuſchen, als durch den Brief, der nirgends einen Zweifel übrig läßt? Denn wenn er den Brief nicht kennt, bleibt zu fürchten, daß er dort wieder anknüpft. Ueberdies, Lina, wenn er ihn wirklich entwendet hat, und wir ſollen es ihm nicht für


