Teil eines Werkes 
Bd. 4König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 3 (1855)
Entstehung
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licher Liebenswürdigkeit unſer gutes Herz einen lebhaften Zweifel gegen das üble Vorurtheil der oft neidiſchen Welt faßt, und ſeinen bisherigen Glauben daran durch innige⸗ res Vertrauen auszugleichen ſich gedrungen fühlt. Vortrefflich, Linchen! rief Ludwig lachend aus. Ich ſehe wol, du haſt über Marinville tief nachgedacht. Wo haſt du denn ſeinen Brief an Cecile? Beiße mir ja nicht zu tief in die Frucht vom Baum der Erkenntniß, Evas⸗ töchterchen! Denn ich gehe noch weiter in der Erklärung

des Glücks, das ſolche Roues bei euerm Geſchlecht

machen. Das weibliche Herz ſcheint nämlich über das bloße gute Vertrauen hinaus zu einem Verſuch ge⸗ drungen, ob denn in der That hinter ſoviel Liebenswür⸗ digkeit des Mannes auch etwas Liederlichkeit ſtecken könnte.

Da biſt du wieder einmal auf deinem weſtfäliſchen

Capitel, ſagte Lina halb empfindlich, halb ſcherzend, und

kam auf den erwähnten Brief zurück. Sie hatte ihn bis⸗ her an ſich behalten. Eine zarte Empfindung für Her⸗ mann trieb ſie an, das Papier um ſo ſorgfältiger zu verwahren, als er ſelbſt es ſo unachtſam preisgegeben hatte. Sie glaubte durch ihren Beſuch der Löſung des Räthſels etwas näher gekommen zu ſein. Nach der Aeuße⸗ rung der Dame Simeon hatte Hermann dieſe Cecile in dem Pagenanzuge getroffen, deſſen im Briefe gedacht war.

Vermuthlich macht ſie ihre Beſuche beim König in ſolchem Anzug, meinte Ludwig. Soviel läßt ſich nicht blos aus dem Briefe vermuthen, ſondern es entſpricht auch ganz dem luſtigen Geſchmack und den leichtfertigen Intriguen unſers Hofes. Man erzählt ja auch von der