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man ihm bereitet, fühle ich, daß ich ihn liebe. Aber ich bin ſeine Geliebte nicht, ſondern deine, Ludwig, und er iſt mein lieber Freund, und iſt der deinige, Ludwig! Und—
Sie entzog ihm die eine Hand, drückte ſie feſt auf ihre Bruſt und fuhr fort:
So wie ich ihn liebe, Ludwig, darf ich es, und du denkſt groß genug, daß ich es dir bekennen kann, und daß du mich verſtehſt. Nicht wahr? Ludwig?— Und dieſe Liebe, die mein allein iſt, von der Hermann ſelbſt nichts weiß, nichts ahnet, iſt ein Reichthum mehr meines Herzens, das dir gehört, und mit dieſer Liebe, die ich dir zubringe, nimmſt du mich oder behältſt du mich an deiner edeln Bruſt?
Er zog ſie gerührt empor auf ſeine Knie. Sie um⸗ ſchlang ſeinen Hals und lehnte den Kopf an ſeine Schul⸗ ter. So ſaßen ſie, mit liebevollen Blicken in einander verſunken, eine ſtumme Weile, und empfanden das innigſte Glück reinſten Verſtändniſſes und des ungetrübten Ver⸗ trauens zu einander.
Auf den Brief kam heut keine Rede mehr. Beide fühlten, daß er zu jenem Einklang ihrer Seelen nur einen Miston geben könnte, und daß dieſem ruhenden Räthſel ſeine Löſung ſchon kommen werde.
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