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Unter den Deutſchen war General von Lepel, ein ſchöner und ariſtokratiſch gehaltener Militär, dem Könige ſehr angenehm, was man auch von der Geſpenſterrolle erzählen mochte, die er früher am würtemberger Hof gegen den ſtrengen König, der an keine Geſpenſter glaubte, mit ritterlichem Liebesmuth beſtanden hatte.
Der Oberſt von Hammerſtein, nach der ſoldatiſchen Zierde einer ſcharfen Geſichtsſchramme Le balafré zube⸗ nannt, verbarg unter anmuthigem Leichtſinn ein ernſtes, kühnes Herz für die deutſche Sache, und der Kammer⸗ herr Graf Löwen⸗Weinſtein, der für die Krone der Je⸗ röme'ſchen Zechgeſellſchaften galt, zog ſich in jenen über⸗ müthigen Stunden am liebſten auf das Amt der Flaſchen und Boplen zurück.
Sobald die Geſchäftigkeit aufhörte, mit welcher Graf Boochls ſeinen Abend vorbereitete, überfiel ihn, beim Läu⸗ ten zur Frühmeſſe jenes Tages, eine angſtvolle Unruhe. Er beklagte die unſelige Stellung, in die man zwiſchen dem Hof und dem Himmel gerathen könnte. Er that einige fromme Gelübde zur Sühne der Leichtfertigkeit, die er nicht mehr verhindern konnte, ja er verwünſchte die Gunſt, nach der er ſich erſt mit ſoviel Ergebenheit ge⸗ bückt hatte. Doch ehe er nur ahnen konnte, daß er mit ſeinen Verwünſchungen ſo glücklich, wie mit ſeinen frühern Wünſchen ſein ſollte, ließ der König abſagen. Wie ath⸗ mete, ja wie jubelte der Graf auf! Noch nie hatte er mit ſolcher Zufriedenheit ein Vorhaben abbeſtellt, wie jetzt die Harfe mit den beiden Hörnern und die ſechs Tänze⸗ rinnen vom Theater. Zwar ſchrieb Marinville in ſeinem Briefchen aus dem Cabinet:„Ce qui est differé n'est pas


