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und gemeſſener Ehrerbietung. Ihre imponirende Faſſung war unter den Umſtänden des Augenblicks nichts Ueber⸗ legtes, nichts Gemachtes, ſondern rührte, bei angeborener Stärke der Seele, von Erziehung, von geübter Selbſt⸗ beherrſchung und von den guten Gewohnheiten ihres hohen Standes her. Denn in ihrem Innern durchkreuzten ſich ſo widerſprechende Empfindungen und Gedanken, daß ihr Benehmen leicht genug in das Anſehen von Zerſtreutheit und Unbeholfenheit hätte fallen können. Das Schwung— gewicht ihrer Gedanken ſchlug weiter als an die beiden Thüren, zwiſchen denen ſie ſtand und durch die hinter ihr ein verliebtes Paar entſchlüpft war und vor ihr ein König eintrat. Nicht blos der hohe Beſuch überraſchte ſie, ſondern auch die Erinnerung an Das, was zwiſchen ihr und dem Beſuchenden vorgefallen war und was ihn jetzt ohne Zweifel herbeiführte. Dieſe Erinnerung hatte ſie auch zu der Uebereilung verleitet, die beiden Leutchen zu verſtecken, anſtatt nur den jungen Mann entſchlüpfen und Adelen bei ſich antreffen zu laſſen. Dies fiel ihr jetzt zu ſpät ein, und ſie fühlte ſich beängſtigt um das Paar, und zugleich vor demſelben bloßgeſtellt durch den verheim⸗ lichten Empfang des Königs. Ueberdies war auch, was Jeröme in ſeiner gewohnten Lebhaftigkeit ausſprechen konnte, für die Verſteckten nicht geeignet, wenn ſie etwa verweilten und lauſchten. Aber in ſolchen Fällen haben Perſonen von der Begabung und dem Herkommen der Gräfin, durch die frühe und häufige Gewöhnung ihr In⸗ neres zu verbergen und bei allem Sturm und Unmuth im Herzen freundlich auf ihre Umgebung zu achten, etwas Aehnliches voraus, wie der geſchulte Reiter, der bei jeder


