Teil eines Werkes 
Bd. 2König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 1 (1855)
Entstehung
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374 Klug will ich nicht ſagen! verſetzte Hermann; aber glücklich genug habe ich ihn abgefertigt, den Bercagny, und kam eben her, euch den Verlauf mitzutheilen. Wenn Sie ihn alſo mitanhören wollen, Herr Oberſtlieutenant? Gewiß! rief Emmerich. Ich weiß, was Ihnen Herr Heiſter gerathen hat, und verlangt es mich recht, zu hören, wie Sie um den Polizeioberſten herumgekommen ſind.

Hermann erzählte nicht ohne ſelbſtgefälliges Behagen, und je öfter der alte Soldat, ſeinen Schnurrbart drehend, beifällig nickte, deſto ſelbſtzufriedener ſpann der junge Freund, beſonders auch Lina zu Gefallen, den Faden ſeines Berichts aus.

Lina freute ſich, daß der ärgerliche Handel ſo ſehr zur Befriedigung ſeines entrüſteten Herzens abgelaufen ſei, ohne daß er klugen Rath bei Seite geſetzt habe.

Der iſt mein Mann! rief Emmerich, und ſtreckte die Hand gegen Hermann aus. Er hat Glück und braucht keine Klugheit. Guter Tact, a prompting, Eingebung iſt auch Glück. Her mit Eurer Hand, junger Doctor! Wir ſind unter gleichen Schickſalsplaneten geboren, wenn auch ein halb Säculum zwiſchen uns liegt. Auch ich bin bei meinen tollkühnſten Unternehmungen mehr nach in⸗ nerm Antrieb als nach kluger Abwägung ins Zeug ge⸗ fahren. Ei warum ſollte denn der Menſch nicht einen geiſtigen Inſtinet haben für Gewächſe der unſichtbaren Welt? Die vierfüßige Creatur findet mit der unvernünf⸗ tigen Naſe ſtets ihr richtiges Futter, und wenn— she fell sick, wenn eine Maladie in ihr ſteckt, ſchnüffelt ſie irgend ein Heilkraut heraus. Warum ſoll mancher Menſch

nicht wittern, wo die Zukunft hinaus will und wo ihre