43
nächſten Tage ausſchließend bei Reichardt zu verbringen. Er war Gaſt, Genoſſe dieſer liebenswürdigen Familie. Er hieß kurzweg Hermann, und nahm einigermaßen die Stelle des Sohnes ein, des republikaniſchen Richard Hens⸗ ler aus erſter Ehe, der als Chaſſeur in der Pyrenäen⸗ armee diente. Dieſem Umſtande maß es Hermann auch bei, daß Vater Reichardt mit ſo aufgeregtem Intereſſe den Vöolksbewegungen in Spanien folgte, die den Franzoſen bereits ſoviel zu ſchaffen machten und im weffääliſchen Moniteur ſoviel declamatoriſche Spalten füllten.
Nach jenem Gewitter hatte ſich wieder das ſchönſte Maiwetter eingeſtellt. Die Familie Reichardt benutzte es, ihren jungen Gaſt in der Stadt, an den öffentlichen Ver⸗ gnügungsorten und in der reizenden Umgegend einzufüh⸗ ren, und zwar bei der geringſten Entfernung, der Frau Reichardt wegen, zu Wagen. Dabei kam es ihm zu Statten, daß er als angenehmer Sänger ſich an den mu⸗ ſikaliſchen Abenden mitbethätigen konnte, zu denen an beſtimmten Tagen ſich einige deutſche Familien bei Rei⸗ chardt einzufinden pflegten. Beſonders ſetzte ſich Hermann bei einigen angeſehenen Frauen in Gunſt, und dies Wohl⸗ gefallen half ihm zu mehr Selbſtoertrauen für die höhere Geſellſchaft. 8
An einem der leeren Abende mahnte Reichardt den jungen Freund, ſeine Aufwartung bei General Salha nicht länger zu verſchieben.
Meine Luiſe, die der Familie nicht fremd iſt, hat ein— mal die Grille, Sie nicht einzuführen, ſagte er. Führen


