Teil eines Werkes 
Bd. 2König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 1 (1855)
Entstehung
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41.

Weiß ich Ihre Ankunft nicht ſeit geſtern Abend? er⸗ klärte Steinbach barſch genug.

So? Sie kommen alſo auf eigne Fauſt? verſetzte der junge Mann, indem er aufſtand, ſeine Brieftaſche zu ho⸗ len. Dann wiſſen Sie aber auch, daß ich aus Halle bin, und mithin als weſtfäliſcher Unterthan keines Paſſes bedarf. Hier haben Sie meinen Heimatſchein!

Er nahm einen ſtarken Brief heraus, den er auf den Tiſch legte, und reichte ſeinen Nachweis hin. Statt aber dieſen zu ergreifen, riß der Commiſſar den Brief an ſich, von deſſen Adreſſe er ſchon den unterſtrichenen Namen Reichardt geleſen hatte, wendete ihn um und rief: Verſiegelt! Wiſſen Sie, daß Sie 50 Dukaten Strafe zu zahlen haben?

Jetzt erinnerte ſich Hermann leider! zu ſpät der ihm ſchon in Halle mitgegebenen Warnung; that aber fremd und patzig mit der Ausflucht, daß es blos ein Empfeh⸗ lungsbrief ſei. Worauf Steinbach verſetzte:

Und wenn nichts darin ſteht alsSchönen guten Morgen! Wünſche wohl geruht zu haben! OderGe⸗ ſegneten Kaffee, und empfehle ich Ihnen den Ueber⸗ bringer zu einer Taſſe, ſo koſtet der Brief mit einem Petſchaft, neben der Poſt hergelaufen, 50 Dukaten. Werde ihn daher an den Generaldirector der hohen Polizei, Herrn Ritter Legras de Bercagny, gehorſamſt abliefern.

Das werden Sie bleiben laſſen! rief Hermann, dem es einfiel, daß ihm das Schreiben wegen vertraulichen Inhalts ſehr empfohlen war. Dabei ſchlug aus dem Ge⸗ ängſtigten der Univerſttätsburſche noch einmal ſo ſtark hervor, daß er den Polizeimenſchen hart am Arme faßte