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dern es war der Schwung einer hochgeſtimmten Seele, die mehr ſich ſelbſt fühlte, als auf die äußerlichen Lagen der Welt achtete.
In jener Zeit ſchwärmte die begabte Jugend einer höhern Schule und Bildung mit dem erſtaunlichen Auf⸗ ſchwung unſerer Poeſie und Wiſſenſchaft— mitbegeiſtert, ihrer ſelbſt vergeſſend, und noch nicht, wie dermal, zer⸗ ſtreut durch den hundertfachen Aufwand einer nur mit ſich ſelbſt beſchäftigten eiterln Welt. Allein mit ſo träumeri⸗ ſchen Vorſtellungen vom Leben einer fremdartigen Reſi⸗ denz, wie unſer Candidat ſie mitbrachte, ſchien ihm auf jedem Pfade, den er einſchlagen möchte, das wartende Glück zu ſitzen. Es wäre ihm nicht eingefallen zu fürch⸗ ten, daß für ſo ungemeſſene Anſprüche oder Erwartungen ein Einſtand von ihm dürfte gefodert werden. Eine War⸗ nung that ihm noth, und ſein gutes Verhängniß beſchied ſie ihm bei guter Zeit.
Noch war er nämlich über den vor ihm liegenden Tag nicht ganz einig mit ſich ſelbſt, als auf hartes An⸗ pochen der Mann von geſtern, den großen Dreimaſter auf dem Kopf, ins Zimmer trat. Er hatte, bereits etwas angetrunken, die auflauernde Miene von geſtern mit einem hochfahrenden Amtstone vertauſcht, der für Hermann nur noch unangenehmer war. Der junge Mann empfing ihn daher nicht ſehr zuvorkommend.
Ich bin der Polizeicommiſſar Steinbach, ſagte er, und bitte mir Ihren Paß aus.
Paß? erwiderte Hermann. Wie kommen Sie mir vor? Und haben Sie mich denn überhaupt ſchon im Fremdenbuche geleſen?


