hat, wenn er ſich mit einem Male ſo dem Kummer gegenüber ſieht, nicht die Rathſchläge und die Stütze einer guten Erziehung. Das erſte Bedürfniß, das er dem unerwarteten Kummer gegenüber empfindet, iſt das Bedürfniß, ihn baldmöglichſt wieder zu ver⸗ geſſen. Das Gebet iſt unzureichend, da es oft un⸗ gewohnt iſt; die körperliche Arbeit iſt unmächtig, da es gilt, Seelenwunden zu heilen; auch iſt der Körper, wenn der Schmerz ihn einmal überreizt, durch keine Handarbeit, ſo hartnäckig dieſe immer ſein mag, mehr zu ermüden; mithin bleibt dem armen Märty⸗ rer nichts Anderes mehr übrig, als ſeinen Kummer im Wein und in Ausſchweifungen aller Art zu er⸗ ſticken, was auch um ſo eher geſchieht, je tiefer der Betreffende verwundet iſt. Iſt einmal der erſte Ring jener Kette, welche tägliche Arbeit heißt, zer⸗ riſſen, ſo hält es äußerſt ſchwer, ihn wieder einzu⸗ fügen; von nun an gehen die Tage des einſt fleißi⸗ gen Arbeiters verloren, wie die Perlen eines Hals⸗ bandes, deſſen Schnur man zerreißt: Niemand weiß, wohin ſie rollen, und Niemand findet ſie mehr. Solcherlei Reflexionen hatten Doctor Servans zu jener ſeltſamen Liebe zum Volke geführt, die er offen bekannte, und wodurch er in der Stadt ſich allgemein beliebt gemacht hatte. Er ermuthigte die Arbeit, jenen ſchön und offen lächelnden Gaſt, der diejenigen, die ihn aufnehmen, niemals weinen läßt. Er hatte darum nicht aufgehört, mit der Welt zu verkehren, die ſeine erſten Sympathien gehabt; nur konnte die erſtere ihn zerſtreuen, während die andere allein ihn glücklich machen konnte. So war ſein Leben ein immer ſtilleres geworden,
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Doctor Servans : Roman / von Alexander Dumas dem Jüngeren. Aus dem Franz. von Chr. Fr. Grieb
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