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Doctor Servans : Roman / von Alexander Dumas dem Jüngeren. Aus dem Franz. von Chr. Fr. Grieb
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ſinn des Herzens, den man Liebe nennt, und auf jenen Schlaf der Sinne, welchem die Menſchen den Namen der Treue gegeben haben, ſeinen Einfluß geltend mache.*

Er wunderte ſich alſo keineswegs, wenn eine Ge⸗ liebte ihm untreu wurde; woran ihm aber lag, war, daß ſie ſeine Freundin, daß die Thüre ihres Hauſes ihm immer offen blieb, daß an ihrem Tiſche immer für ihn gedeckt war, wenn es ihm einmal beliebte, mit ihr zu ſpeiſen, und daß ſie für den Fall, daß der Wittwerſtand, wozu ſie ihn verdammte, lange dauerte, aus der Vergangenheit der Erinnerungen genug bewahrte, um ihn über dieſen ſeinen Wittwer⸗ ſtand einigermaßen zu tröſten. 3

Im Uebrigen war er von allen Ehemännern an⸗ gebetet, und ſei es Blindheit, ſei es Egoismus, ſei es Gleichgültigkeit von ihrer Seite, ſtets behielten ſie ihn bei, ſobald er einmal den Fuß ins Haus geſetzt hatte. Und in der That befand ſich von dem Tage an in dem Hauſe immer Alles aufs Beſte vom Familienhaupt bis zum Schooßhündchen der Haus⸗ frau. Und nun ſehe man, wie glücklich es war, daß die Vorſehung unſern Arzt nicht mit allzu heftigen Leidenſchaften ausgeſtattet hatte; denn bei dem tie⸗ fen Wiſſen, das er beſaß, wäre es ihm eine Kleinig⸗ keit geweſen, eines eiferſüchtigen Ehemanns ſich zu entledigen oder an einer untreuen Geliebten ſich zu rächen. Zum Glück war er ſo, wie wir ihn geſchil⸗ dert, und war er ſtets ſo geweſen.

Aber wird man uns entgegenhalten bei einem ſolchen Charakter konnte Servans unmöglich eine ſo große Weltkenntniß erlangen; und um die

Dumas, Doctor Servans. 2

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