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Sie hatte den Tritt ihres Vaters erkannt, der mit eigenen Ohren hatte hören wollen, was drinnen im Zimmer vorging, es aber nicht gewagt hatte, die Schwelle zu überſchreiten.
Fräulein von Thonnerins hatte auf ihrem Bette ein aufgeſchlagenes Buch liegen; ihre Augen und Gedanken aber waren anderswo.
Sie hörte nach einander alle Stunden der Nacht ſchlagen. Gleich ihr wachte auch ihr Vater auf ſeinem Zimmer; nur hatte er ſich nicht ſchlafen gelegt, ſon⸗ dern machte an Einem fort ſeine Fenſtervorhänge ein wenig auf, damit ſeine Augen auf die erleuchte⸗ ten Fenſter ſeiner Tochter ſich heften konnten.
Endlich erſchien der Tag.
Leonie ſtand auf, legte ihr Amazonenkleid an und ging dann in den Speiſeſaal zu ihrem Vater hinab, um mit ihm zu frühſtücken.
Der Marquis war bläſſer, als er je geweſen war.
Das Frühſtück ging wie gewöhnlich vorüber.
Als es aber zu Ende war, ging Fräulein von Thonnerins zum Marquis hin und ſprach, was ſie ſeit dem Beſuche Friedrichs auch nicht ein Mal mehr gethan:
„Wollen Sie mir einen Kuß geben, Vater?“
Herr von Thonnerins umſchlang ſeine Tochter mit beiden Armen, küßte ſie und ſprach mit ſchwacher Stimme:
„Muth, Muth gefaßt!“
„Ich habe Muth genug, Vater, ſeien Sie ruhig,“ antwortete, Leonie.
Dann entriß ſie ſich den Armen des Marquis und ließ ihr Pferd vorführen.


