renden Studie zu dienen, wie man ſie gewöhnlich in Gymnaſien und Mädcheninſtituten findet.
Du haſt ſolche Köpfe auf einem eben ſo vollkom⸗ menen Rumpfe geſehen und haſt bei Dir ſelbſt ge⸗ ſagt: Es iſt dieſes Frauenzimmer ſchön, ſo ſchön als man nur ſein kann; wie kommt es nun aber, daß dieſe Schönheit mich nicht anzieht, ſo unleugbar ſie iſt, und warum werde ich dieſes Frauenzimmer ge⸗ wiß nie lieben, während ich vielleicht in Liebe ent⸗ brennen werde für jene Andere, Magere, mit den kleinen Augen und der Stülpnaſe, die von Niemand angeſehen wird?
Es kommt dieß daher, daß ſolchen Frauenzim⸗ mern Etwas abgeht. Faſt immer findet es ſich, daß ſie entweder nie geliebt oder nie gelitten— was ſo ziemlich ſynonym iſt, da Eines kaum ohne das An⸗ dere ſein kann,— und daß dieß auf ihrem Geſichte deutlich zu leſen iſt.
Warum aber haben ſie nicht geliebt? wirſt Du mich fragen. Weil die Schönheit weſentlich egoiſtiſch iſt, ſich ſelbſt genügt, Alles abſorbirt und Nichts zu⸗ rückgibt; weil ein unbeſtreitbar ſchönes Frauenzimmer kein anderes Bedürfniß fühlt, als ſich ſagen zu laſſen, daß ſie ſchön ſei, und einem einzigen Manne dieſe Schönheit nicht gönnt, worauf derſelbe eiferſüchtig wäre, ſo daß er ſie verhindern würde, ſie vor aller Welt ſehen zu laſſen. Weil ein ſolches Frauenzim⸗ mer das Murmeln der Bewunderung, das ſie em⸗ pfängt, ſobald ſie in ein Theater oder auf einen Ball kommt, allem Andern vorzieht; weil ihr ſtalzes Weſen ſie ſchlechterdings nicht an die Liebkoſungen und Schmei⸗ cheleien der Intimität zu gewöhnen vermöchte, da ſie


