daß wir in den Stufenfolgen unſrer Verehrung ge⸗ wiſſenhaft unterſcheiden. Oleander kann dir heilig und theuer wie ein Bruder ſein und doch vermöchteſt du ihn nicht ſo zu lieben, wie ein Mädchen liebt. Aber, Selma, wenn es auch in der Natur des Weibes be⸗ gründet ſein mag, Das, was am Manne liebens⸗ werth erſcheint, aus Allem eher als nur und einzig aus ſeiner ſittlichen Gediegenheit herzuleiten, ſo hüte dich doch, einem gefährlichen Irrthume, von dem ich weiß oder ſchmerzlich ahne, daß er dich beſchlichen hat, zu ſehr nachzugeben—
Vater! ſagte Selma vor Schmerz auffahrend.
Was verwundet dich? Daß ich von deinem Irr⸗ thum ſpreche?
Nein, daß du von Etwas nur redeſt, was ich aus deinem Munde eher hören ſoll, ehe ich mir ſelbſt davon geſprochen!
Es iſt meine Pflicht, Kind, deine Gefühle zu re⸗ geln. Ich verehre und liebe dieſe heilige Scheu des Mädchens, zum erſten male das geweihte Zauberwort der Liebe zu vernehmen oder wohl gar es auszu⸗ ſprechen. Allein, da du ohne Mutter, ohne dir be⸗ kannte Verwandte biſt und nur deinen Vater als einzigen erprobten Freund deines Herzens kennſt— Ach, rief Selma und warf ſich an die Bruſt des


