Teil eines Werkes 
6. Bd. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

434

und in reinen Flammen ihre ganze Seele zu läutern glaubt! Du fingſt an, dich ſelbſt zu lieben, dir ſelber zu gefallen, als du deine ganze Kraft der Aufopferung mir dahingabſt! Aber auch damals, theuces Weſen, warſt du mir nur der Widerſchein eines innern Bil⸗ des, die Befriedigung eines von mir ſelbſt gefühlten Bedürfniſſes, ein Gedanke, eine Stufe der Entwicke⸗ lung, ein Standpunkt zur Anſchauung des Lebens. Ach, daß es ſo iſt! Aber wer kann es leugnen? Ich war glücklich, bei dir von einem Irrthume, einer Grille auszuruhen. Du nahmſt mich ohne Anſprüche. Du wollteſt nicht, daß ich glänzte, meinen Ruf wiederher⸗ ſtellte. Du liebteſt nur mich, die Perſon, mein Lachen, mein Weinen, mein Hoffen, mein Klagen, den Men— ſchen, den ſchwachen, träumenden, bequemen Menſchen, der mit der Welt grollte, mit den Seinigen gebrochen hatte und über eine Zukunft philoſophirte, die er ſich nach den Stimmungen des Augenblicks wechſelnd und immer anders ausmalte. Die Flamme brannte und nahm den Docht, wo ſie ihn fand. Das Zufälligſte machte uns glücklich und Unterhaltung fanden wir in uns ſelbſt.

Eine ſchmerzliche Reue trennte uns. Du weißt, Helene, wie ich mich plötzlich aufgeſchreckt fühlte. Ich konnte ſo, wie ſonſt, nicht zurückkehren zu dir! Ich