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Traum aus ihrer früheſten Jugendzeit. Die fünfund⸗ zwanzig Jahre, die ſie mindeſtens vor der jungen ver⸗ zweifelnden Frau voraus hatte, fühlte ſie einen Au⸗
enblick nicht; ſie konnte das Zittern ihrer Hand nicht
unterdrücken, konnte nicht von ihren Lippen weg⸗ wiſchen, daß ſie einen Augenblick bebten. Sie dachte an Heinrich Rodewald und ihre Jugend... Helene, ſagte ſie nach einer Pauſe allmäliger Sammlung, Helene, Sie ſehen mich voll gerührteſter Theilnahme, aber auch voll Ueberraſchung. Ich weiß ſo wenig von Dem, was Sie betrifft. Ich hoffte die⸗ ſer Tage durch einen Beſuch bei Ihrer Schweſter— Schweigen Sie von dieſer Schweſter! rief Helene, und in die zarte Erſcheinung fuhr plötzlich eine ſo elaſtiſche Beweglichkeit, eine ſo aufſchnellende zornige Erregung, daß man die in Liebe zerfloſſene Weiblich⸗ keit kaum wiedererkannte. Der Mund und das Kinn traten entſchloſſen hervor und die Augen blitzten von einem wilden, trotzigen Feuer. Schweigen Sie, rief ſie, von dieſer Heuchlerin, dieſer liebloſen Moraliſtin! Für die glühendſten Schil⸗ derungen meines Glückes, die ich ihr nach Odeſſa ſchrieb, hat ſie mir im Tone einer Predigt geant⸗ wortet. Wenn ſie mich tadelte, daß ich für Belcotti
ſchwärmte, mit Addington tändelte, die Leiden des Die Ritter vom Geiſte. IV. 2


