Teil eines Werkes 
2. Bd. (1850)
Entstehung
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380 hätte, daß ich mit ihm noch nach den Spuren ſei— nes Verrathes ſuchen würde— o Charlotte, wie ſchmerzliche Erinnerungen weckt mir dies Andenken alter Zeit!

Gieb ihn her, Kind, ſagte die Aeltere und griff nach einem verroſteten Stilet, das die Geheimräthin aus dem Bruſtſchlitz des eleganten Kaſchemirſchlaf⸗ rockes gezogen hatte. Es war ein florentiniſcher Dolch mit damascirter Arbeit auf den drei Kanten, von zierlich gearbeitetem Griff, eine Schlange vor⸗ ſtellend, die ſich ſo eigenthümlich ringelt, daß die Hand bequem in einer ihrer Windungen ruhen konnte. Der Dolch ſelbſt aber war eine lang aus dem geöff⸗ neten Munde herausgeſtreckte Giftzunge, dreikantig, dünn und vom härteſten Stahl gearbeitet.

Gieb ihn her, Kind, wiederholte die Ludmer, als ihn Pauline zu ernſt betrachtete...

Ha! Es war in Verona, ſagte Pauline träu⸗ meriſch. Wir hatten Romeo's und Julien's Grab geſehen und ſcherzten darüber, daß der Unverſtand der Zeiten einen Futtertrog für Pferde daraus ge⸗ macht hatte oder aus dem alten Futtertroge, wie Rodewald in ſeiner ſcharfen und ungläubigen Weiſe ſagte, ſpäter das Grab der Julia! Es iſt dreißig Jahre her und noch ſeh' ich uns wie heute, als ich

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