286 „Bleibt im Zimmer, Mutter,“ ſagte Tom, als
er nach der Entfernung des Vaters bemerkte, daß
auch ſie fortgehen wollte. „Es muß doch Jemand abräumen,“ verſetzte Mrs. Tulliver.„Soll etwa Maggie gehen?“
„Die kann thun, was ſie will,“ ſagte Tom
gleichgiltig.
Dies war ein ſchneidendes Wort für Maggie.
Ihr Herz hatte freudig zu pochen begonnen in der
plötzlichen Ueberzeugung, Tom ſei im Begriff, dem
Vater zu ſagen, daß die Schulden bezahlt werden können— und jetzt zeigte er ſolche Gleichgiltigkeit darüber, ob ſie bei der Ankündigung der frohen Poſt zugegen war oder nicht. Sie nahm das Theezeug fort, kehrte aber augenblicklich wieder zurück. Das Gefühl der Kränkung konnte in einem ſolchen Augen⸗ blick nicht die Oberhand gewinnen.
Tom rückte an die Tiſchecke in der Nähe ſeines Vaters, als dieſer die Zinnbüchſe niederſetzte und aufſchloß. Das rothe Abendlicht ließ den Gegenſatz zwiſchen dem ſchweren Düſter und den ſchwarzen Augen des alten Mannes und der unterdrückten Freude auf dem roſigen Antlitz des Sohnes beſonders lebhaft her⸗
vortreten. Die Mutter und Maggie ſaßen am anderen
Ende des Tiſches, die eine in blöder Geduld, die andere in ungeſtümer Erwartung.
Mr. Tulliver zählte das Geld, legte es auf den Tiſch in Häuflein zuſammen, und ſagte dann, Tom einen ſcharfen Blick zuwerfend:
„Da— ſiehſt Du jetzt, daß ich Recht hatte?“
Er hielt inne und warf einen Blick bitterer Zag⸗ haftigkeit auf das Geld.


