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kam? Vielleicht hatte ſie ohne ihn vollſtändige Ruhe gefunden und fühlte das Bedürfniß ſeiner Liebe nicht mehr. Am Rande einer Entſcheidung zittern wir alle: die Hoffnung pauſirt mit flatternden Flügeln.
Aber jezt war ſie endlich ſehr nahe und Adam erhob ſich hinter der ſteinernen Mauer. Zufällig war Dina, juſt als er vorwärts ſchritt, ſtehen ge⸗ blieben und hatte ſich gedreht, um nach dem Dorfe zurückzublicken: wer bleibt nicht ſtehen und blickt zu⸗ rück wenn er einen Hügel hinanſteigt? Adam war froh; denn mit dem feinen Inſtinct eines Liebenden fühlte er daß es für ſie am beſten ſein würde ſeine Stimme zu hören bevor er ſie ſähe. Er näherte ſich ihr bis auf drei Schritte und ſagte: Dina! Sie fuhr zuſammen, aber ohne ſich umzuſchauen, gleich als ob ſie den Ton mit keinem Plaze in Verbindung ſezte. Dina! ſagte Adam aufs neue. Er wußte recht gut was in ihr vorging. Sie war ſo ſehr ge⸗ wöhnt an reine geiſtige Mahnungen und Eindrücke zu denken, daß ſie nach keiner handgreiflichen und ſichtlichen Begleitung der Stimme ſuchte.
Aber bei dieſem zweiten Mal ſchaute ſie ſich um. Welch ein ſehnſüchtiger Liebesblick ſchoß nicht aus den ſanften grauen Augen auf den ſtarken ſchwarz⸗ äugigen Mann! Sie fuhr bei ſeinem Anblick nicht wieder zuſammen, ſie ſagte Nichts, ſondern trat auf ihn zu, ſo daß ſein Arm ihren Leib umfaſſen konnte.
Und ſo gingen ſie ſchweigend weiter, indeß heiße Thränen floßen. Adam war glücklich und ſagte Nichts. Dina ergriff das Wort zuerſt.
„Adam,“ ſagte ſie,„es iſt Gottes Wille. Meine


