301
Dreiundfünßigſtes Capitel. Das Erntemahl.
Als Adam am Mittwochabend im Sonnenſchein der ſechsten Stunde heimwärts ging, ſah er in der Ferne die lezte Ladung Gerſte langſam gegen das Thor des Pachthofes hin ſich bewegen und hörte die Klänge des Ernteliedes gleich Wellen ſich erheben und ſenken. Immer ſchwächer und durch die wach⸗ ſende Entfernung noch melodiſcher ſchlugen die er⸗ ſterbenden Töne an ſein Ohr als er ſich dem Weidenbach näherte. Die im Weſten untergehende Sonne beglänzte voll die Alpenhügel von Binton, verwandelte die unbewußten Schafe in glänzende Lichtflecke und beſchien auch die Fenſter ſeines Häus⸗ chens, ſo daß ſie in einer Glorie flammten, heller als Ambra und Amethyſt. Es wurde Adam zu Muthe als befände er ſich in einem großen Tempel und der ferne Geſang wäre ein heiliges Lied.
Es iſt wunderbar, dachte er, wie dieſe Klänge einem gleich Grabgeläute zu Herzen gehen, und doch verkündigen ſie einen der fröhlichſten Abſchnitte im Jahr, die Zeit wo die Menſchen am dankbarſten ſind. Ich finde den Gedanken etwas hart daß Etwas im Leben gänzlich vorüber iſt, und mit allen unſern Freuden iſt auch ein Scheiden verbunden. So geht es mir mit Dina: ich würde nie zur Erkenntniß ge⸗ kommen ſein daß ihre Liebe für mich der größte Segen wäre, wenn mir nicht das was ich für einen Segen hielt entriſſen würde und das größte Bedürf⸗


