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vergeſſen. Ich werde mein Lebenlang Dein treuer Freund bleiben, und ich hoffe es Dir auf mancherlei Art beweiſen zu können. Wenn ich in dieſem Brief Etwas ſage was Dich ſchmerzt, ſo glaube ja nicht daß dieß aus Mangel an Liebe und Zärtlichkeit ge⸗ ſchehe, denn es gibt Nichts was ich nicht für Dich thun wollte, wenn ich wüßte daß es wirklich zu Dei⸗ nem Glück geſchehe. Ich kann den Gedanken nicht ertragen daß meine kleine Hetty Thränen vergieße, während ich nicht da bin um ſie wegzuküſſen, und wollte ich bloß meinen Neigungen folgen, ſo würde ich in dieſem Augenblick bei Dir ſein, ſtatt zu ſchrei⸗ ben. Es fällt mir ſehr ſchwer von Dir zu ſcheiden — noch ſchwerer aber wird es mir Worte zu ſchrei⸗ ben die unfreundlich erſcheinen können, obſchon ſie aus der wahrſten Freundlichkeit hervorgehen. „Theure, theure Hetty, ſo ſüß unſere Liebe für mich geweſen iſt, ſo ſüß es mir wäre wenn Du mich ewig liebteſt, ſo fühle ich doch daß es für uns Beide beſſer geweſen wäre wenn wir dieſes Glück nie ge⸗ kannt hätten, und ich muß Dich bitten mich ſo wenig als möglich mehr zu lieben, ſo wenig als möglich mehr an mich zu denken. Die ganze Schuld lag auf meiner Seite, denn obſchon ich dem Verlangen nach Dir nicht zu widerſtehen vermochte, ſo habe ich doch die ganze Zeit über gefühlt daß Deine Neigung Dir Kummer verurſachen mußte. Ich hätte meinen Gefühlen widerſtehen müſſen; ich würde es gethan haben, wenn ich ein beſſerer Menſch wäre als ich bin; aber jezt nachdem die Vergangenheit ſich nicht mehr ändern läßt, bin ich verpflichtet Dich vor jedem Uebel zu bewahren was ich möglicher Weiſe
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